Ratgeber · Für Unternehmen
Übersetzung oder Lokalisierung: welche Stufe Ihr Inhalt braucht
Eine Übersetzung überträgt den Inhalt, eine Lokalisierung macht ihn im Zielmarkt passend. Dieser Ratgeber zeigt den Unterschied, ordnet typische Unternehmensinhalte zu und listet, was beim Lokalisieren angepasst wird.
Kurz gesagt
- Eine Übersetzung überträgt den Inhalt in die Zielsprache. Eine Lokalisierung passt ihn zusätzlich an den Zielmarkt an: Sprachvariante, Formate, Pflichtangaben und kulturelle Bezüge.
- Informierende Texte wie Anleitungen und Verträge brauchen meist eine Übersetzung. Websites, Shops und Software brauchen eine Lokalisierung.
- Slogans und Kampagnen werden transkreiert, also für den Zielmarkt neu formuliert.
- Software muss vor der Lokalisierung internationalisiert sein: Texte liegen außerhalb des Codes, Layouts vertragen längere Texte.
- Auch innerhalb einer Sprache lohnt Lokalisierung: In der Schweiz schreibt man kein ß, trennt Tausender mit Apostroph und zahlt in Franken.
Der Unterschied zwischen Übersetzung und Lokalisierung
Eine Übersetzung überträgt einen Text sinngemäß und vollständig in die Zielsprache, der Inhalt bleibt gleich. Eine Lokalisierung baut darauf auf und passt alles an den Zielmarkt an, was dort anders ist: Sprachvariante, Datums- und Zahlenformate, Währung, Maßeinheiten, Pflichtangaben, Bilder und kulturelle Bezüge. Die dritte Stufe ist die Transkreation, bei der ein Text für den Zielmarkt neu formuliert wird.
In der Praxis sind die Grenzen fließend. Auch eine Betriebsanleitung braucht lokale Formate, und auch eine lokalisierte Website enthält Passagen, die schlicht übersetzt werden. Entscheidend ist, was ein Text leisten soll: informieren oder im Zielmarkt wirken.
Drei Stufen im Überblick
| Merkmal | Übersetzung | Lokalisierung | Transkreation |
|---|---|---|---|
| Ziel | Inhalt vollständig und korrekt übertragen | Inhalt im Zielmarkt passend und nutzbar machen | Die gleiche Wirkung im Zielmarkt erzielen |
| Was sich ändert | Nur die Sprache | Sprache, Formate, Pflichtangaben, Bilder und Bezüge | Wortlaut, oft auch Bild und Idee |
| Typische Inhalte | Anleitungen, Verträge, Berichte, Dokumentation | Websites, Onlineshops, Software, Produktdaten | Slogans, Kampagnen, Markennamen, Claims |
| Wer arbeitet daran | Fachübersetzer, Revision durch zweite Fachperson | Fachübersetzer mit Marktkenntnis, oft zusammen mit Technik und Recht | Muttersprachliche Texter mit Marketingerfahrung |
| Aufwand | Basis | Erhöht | Hoch |
Welcher Inhalt welche Stufe braucht
Drei Fragen entscheiden: Soll der Text informieren oder wirken? Unterscheidet sich der Zielmarkt in Formaten, Pflichtangaben oder Sprachvariante? Und muss ein Produkt technisch angepasst werden? Je mehr Fragen Sie mit Ja beantworten, desto eher brauchen Sie eine Lokalisierung.
- Informieren oder wirken?Anleitung und Vertrag informieren, Website und Kampagne sollen wirken
- Anderer Markt?Andere Formate, Währung, Pflichtangaben oder Sprachvariante
- Technik betroffen?Software, App oder Shop mit Oberfläche und Datenfeldern
- Stufe wählenÜbersetzung, Lokalisierung oder für Claims die Transkreation
| Inhalt | Empfohlene Stufe | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Betriebsanleitung, technische Dokumentation | Übersetzung | Einheitliche Terminologie, lokale Maßeinheiten, Sprachvorgaben des Ziellandes |
| Verträge, AGB | Übersetzung | Juristische Fachübersetzung mit Blick auf die Rechtsordnung, keine inhaltliche Anpassung |
| Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte | Übersetzung | Zahlenformate und Fachbegriffe der Finanzkommunikation |
| Website, Unternehmensseiten | Lokalisierung | Sprachvariante, Kontaktzeiten, Pflichtangaben, Suchbegriffe je Markt |
| Onlineshop, Produktdaten, Marktplätze | Lokalisierung | Währung, Preisangaben, Größen, Maßeinheiten, Versandbedingungen |
| Software, App | Lokalisierung | Vorher internationalisieren, Textlänge in der Oberfläche testen |
| Pressemitteilung | Übersetzung, Bezüge lokalisieren | Ansprechpartner, Termine und Beispiele für den Zielmarkt |
| Slogan, Kampagne, Produktname | Transkreation | Wirkung und Assoziationen im Zielmarkt, Namensprüfung vor dem Start |
Was bei einer Lokalisierung angepasst wird
Eine Lokalisierung prüft alles, was im Zielmarkt anders erwartet wird. Die Liste deckt die häufigsten Punkte ab und eignet sich als Briefing für Ihren Übersetzungsdienstleister oder als Abnahmeliste für die fertige Sprachversion.
Briefing und Abnahme einer Lokalisierung
Websites und Software lokalisieren: was vorher geklärt sein muss
Bevor eine Website oder Software lokalisiert werden kann, muss sie internationalisiert sein. Das heißt: Alle Texte liegen außerhalb des Programmcodes in eigenen Dateien, Layouts vertragen längere Texte, Datums- und Zahlenformate kommen aus den Ländereinstellungen, und in Bildern steht kein Text.
Übersetzt werden dann nicht die Programmdateien selbst, sondern die ausgelagerten Textdateien, etwa im Format XLIFF, JSON oder YAML. Bei Websites kommt der Export aus dem Redaktionssystem hinzu, dafür gibt es Anleitungen für WordPress, TYPO3 und XML-Dateien.
Für die Auffindbarkeit braucht jede Sprachversion eine eigene URL, und die Versionen werden per hreflang miteinander verknüpft. Die Suchbegriffe sollten Sie je Markt recherchieren: Wer in Österreich sucht, verwendet oft andere Wörter als in Deutschland. Mehr zu den Leistungen unter Webseitenübersetzung und Software-Lokalisierung.
Beispiele: wo fehlende Lokalisierung schadet
Bekannt sind missglückte Produktnamen. Für Unternehmen teurer sind oft unscheinbare Fehler: ein Liefertermin im falschen Datumsformat, ein Preis in der falschen Währung, ein Text mit ß für Schweizer Kunden. Die Tabelle zeigt belegte Fälle und typische Alltagsfehler.
| Fall | Was passiert ist | Die Lehre |
|---|---|---|
| Mitsubishi Pajero | Der Name ist im Spanischen ein vulgärer Ausdruck. In spanischsprachigen Märkten kam das Modell deshalb als Montero auf den Markt. | Produktnamen vor dem Start in jeder Zielsprache prüfen lassen |
| Coca-Cola in China | Händler schrieben den Namen anfangs mit Schriftzeichen, die nur ähnlich klangen und Unsinniges bedeuteten. Das Unternehmen ließ eine Schreibweise entwickeln, die ähnlich klingt und sinngemäß „schmackhaft und erfreulich“ bedeutet. | Markennamen für Schriftsysteme wie Chinesisch transkreieren, nicht nur lautlich übertragen |
| Liefertermin 03/04 | Ein Datum im Zahlenformat wird in den USA als 4. März gelesen, in Deutschland als 3. April. | In Verträgen und Bestätigungen den Monat ausschreiben |
| Onlineshop für die Schweiz | Texte mit ß, Preise in Euro und deutsche Begriffe wie Fahrrad statt Velo wirken auf Schweizer Kunden fremd. | Auch innerhalb einer Sprache die Variante lokalisieren |
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Übersetzung und Lokalisierung?
Eine Übersetzung überträgt den Inhalt in die Zielsprache. Eine Lokalisierung passt ihn zusätzlich an den Zielmarkt an, etwa Sprachvariante, Formate, Währung, Pflichtangaben und kulturelle Bezüge. Jede Lokalisierung enthält eine Übersetzung, aber nicht umgekehrt.
Ist eine Lokalisierung teurer als eine Übersetzung?
Ja, meist. Zur Übersetzung kommen Recherche zum Zielmarkt, Anpassung von Formaten und Inhalten sowie bei Software ein Test der Oberfläche. Wie hoch der Aufwand ist, hängt von Umfang und Inhalt ab. Die Einstiegspreise für Übersetzungen stehen unter Preise.
Was ist Transkreation?
Transkreation ist die Neuformulierung eines Textes für den Zielmarkt, mit dem Ziel, dieselbe Wirkung zu erzielen. Sie wird für Slogans, Kampagnen und Markennamen eingesetzt, bei denen eine wörtliche Übertragung nicht funktioniert.
Was bedeuten i18n und l10n?
Es sind Abkürzungen aus der Softwareentwicklung. i18n steht für Internationalization, zwischen i und n stehen 18 Buchstaben. Gemeint ist die technische Vorbereitung auf mehrere Sprachen. l10n steht für Localization, also die Anpassung an einen bestimmten Markt.
Muss ich für Österreich und die Schweiz eigens lokalisieren?
Für Websites, Shops und Werbung lohnt es sich. In der Schweiz schreibt man kein ß, trennt Tausender mit Apostroph, zahlt in Franken und verwendet eigene Begriffe wie Velo. In Österreich unterscheiden sich vor allem Begriffe, etwa Jänner oder Paradeiser.
Kann KI eine Lokalisierung übernehmen?
Teilweise. Maschinelle Übersetzung überträgt die Sprache, bei großen Textmengen oft als Grundlage für ein Post-Editing. Die Entscheidungen über Pflichtangaben, Suchbegriffe, Bilder und kulturelle Bezüge brauchen Menschen mit Kenntnis des Zielmarkts.
Begriffe auf dieser Seite
- Lokalisierung
- Anpassung eines übersetzten Inhalts an Sprache, Formate, Recht und Kultur eines Zielmarkts.
- Internationalisierung
- Technische Vorbereitung von Software und Websites, damit sie ohne Umbau in mehreren Sprachen funktionieren.
- Transkreation
- Neuformulierung eines Textes für den Zielmarkt mit dem Ziel derselben Wirkung.
- Locale
- Kombination aus Sprache und Region, etwa de-DE, de-CH oder en-US. Sie bestimmt Sprachvariante und Formate.
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Lexikon
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Wann Texte für den Zielmarkt neu formuliert werden und wie das abläuft.
