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Lexikon · Sprachdienstleistungen

Styleguide: Stilvorgaben für Übersetzungen erklärt

Ein Styleguide legt fest, wie Ihr Unternehmen in jeder Zielsprache schreibt: Anrede, Ton und Formate. Inhalte, Abgrenzung zum Glossar und typische Fehler.

  • Aktualisiert am

Kurz gesagt

  1. Ein Styleguide für Übersetzungen ist ein Regelwerk, das festlegt, wie ein Unternehmen in einer Zielsprache klingen und schreiben soll: Anrede, Tonalität, Schreibweisen und Formate.
  2. Er ergänzt das Glossar. Das Glossar regelt einzelne Begriffe, der Styleguide regelt, wie Sätze und Texte gebaut werden.
  3. Ohne Styleguide entscheidet jede übersetzende Person selbst, ob Kunden gesiezt werden, wie Datumsangaben aussehen und wie förmlich der Ton ist.
  4. Sinnvoll ist ein Styleguide pro Zielsprache, abgestimmt mit dem Sprachdienstleister und gepflegt wie ein Glossar.

Was ist ein Styleguide für Übersetzungen?

Definition

Ein Styleguide für Übersetzungen ist ein schriftliches Regelwerk, das festlegt, wie Texte eines Unternehmens in einer bestimmten Zielsprache formuliert werden: Anrede, Tonalität, Schreibweisen, Zahlen- und Datumsformate sowie der Umgang mit Markennamen. Er sorgt dafür, dass Übersetzungen verschiedener Personen und Projekte einheitlich klingen.

Im Deutschen sind auch die Bezeichnungen Stilleitfaden und Stilrichtlinien üblich, im Englischen „style guide“. Viele Unternehmen haben bereits einen Styleguide für ihre Ausgangssprache, oft als Teil der Corporate Language. Für Übersetzungen reicht er allein nicht aus, weil jede Zielsprache eigene Konventionen hat.

Ein Beispiel: Ein deutscher Styleguide legt das Siezen fest. Im Französischen ist dann noch offen, ob Kunden mit „vous“ und Vornamen oder mit „Madame, Monsieur“ angesprochen werden. Solche Fragen beantwortet der Styleguide für die jeweilige Zielsprache. Welche Fachbegriffe verwendet werden, regelt dagegen das Glossar.

Was ein Styleguide für Übersetzungen regelt

Ein guter Styleguide ist kurz und konkret. Er beantwortet die Fragen, die bei jeder Übersetzung wieder auftauchen.

Bereich Typische Vorgabe Warum wichtig
Anrede Siezen oder Duzen, Anrede in E-Mails und Oberflächen Ein Wechsel der Anrede fällt Kunden sofort auf
Tonalität Sachlich oder werblich, kurze oder ausführliche Sätze, Aktiv bevorzugt Die Marke klingt in jeder Sprache wiedererkennbar
Schreibweisen Britisches oder amerikanisches Englisch, Groß- und Kleinschreibung in Überschriften Uneinheitliche Schreibweisen wirken nachlässig
Formate Datum, Uhrzeit, Dezimalzeichen, Währungen, Maßeinheiten Falsche Formate führen zu Missverständnissen bei Zahlen
Marken und Produktnamen Welche Namen übersetzt werden und welche immer im Original bleiben Schützt Marken und hält Produktbezeichnungen auffindbar
Oberflächentexte Zeichenbegrenzungen, Schreibweise von Schaltflächen, Umgang mit Platzhaltern Verhindert abgeschnittene Texte in Software und Apps

Hinzu kommen oft Regeln für Abkürzungen, Zitate, Verweise auf Normen und für den Umgang mit nicht übersetzbaren Wortspielen.

So entsteht ein Styleguide

Ein Styleguide entsteht am besten aus vorhandenen, freigegebenen Texten und wird mit jeder Rückfrage genauer.

Ein Styleguide muss nicht vollständig sein, bevor das erste Projekt startet. Wichtiger ist, dass klar ist, wer ihn pflegt und wer bei offenen Fragen entscheidet.

  1. Bestand sichten Freigegebene Übersetzungen, Corporate-Language-Vorgaben und Kundenfeedback sammeln.
  2. Regeln festlegen Anrede, Ton, Formate und Markennamen je Zielsprache entscheiden.
  3. Abstimmen Mit Länderverantwortlichen und dem Sprachdienstleister durchgehen.
  4. Pflegen Entscheidungen aus Rückfragen laufend ergänzen und versionieren.

Was das für Unternehmen bedeutet

Ein Styleguide kostet einmal Abstimmung und spart danach in jedem Projekt Rückfragen und Korrekturschleifen. Vier Punkte, die beim Einkauf zählen.

Einheitlicher Auftritt über viele Sprachen

Wer in mehreren Märkten veröffentlicht, arbeitet meist mit vielen Übersetzern gleichzeitig. Ohne gemeinsame Vorgaben entstehen Texte, die einzeln korrekt sind, nebeneinander aber uneinheitlich wirken. Der Styleguide ist die Grundlage für sprachliche Konsistenz über Projekte und Jahre hinweg.

Weniger Korrekturschleifen

Viele Beanstandungen bei Übersetzungen betreffen keine Fehler, sondern Geschmacksfragen: zu förmlich, zu locker, falsche Anrede. Was im Styleguide steht, muss nicht nach jeder Lieferung neu besprochen werden.

Grundlage für KI-Übersetzung und Post-Editing

Auch maschinelle Übersetzung braucht Vorgaben. Ein Styleguide gibt dem Post-Editing einen Maßstab, an dem sich Stil und Ton prüfen lassen, und er liefert die Regeln, mit denen KI-Systeme gesteuert werden können.

Teil der Ausschreibung

Fragen Sie Sprachdienstleister, wie sie Styleguides verwalten und an alle Beteiligten weitergeben. Bringen Sie einen vorhandenen Styleguide in die Ausschreibung ein. Worauf es bei der Auswahl sonst ankommt, zeigt der Ratgeber Das passende Übersetzungsbüro finden.

Nicht zu verwechseln mit

Styleguide, Glossar und Translation Memory werden oft in einem Atemzug genannt. Sie erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.

Hilfsmittel Was es regelt Beispiel
Styleguide Wie geschrieben wird: Anrede, Ton, Formate „Im Spanischen duzen wir Endkunden.“
Glossar Welche Begriffe verwendet werden „Steuereinheit“ heißt immer „control unit“
Translation Memory Welche Sätze bereits übersetzt wurden Ein gespeicherter Sicherheitshinweis wird wiederverwendet
Corporate Design Manual Wie Inhalte gestaltet werden: Farben, Schriften, Logo Mindestabstand um das Logo
Projektbriefing Vorgaben für einen einzelnen Auftrag Zielgruppe und Verwendungszweck einer Broschüre

Typische Fehler bei Styleguides

Die meisten Styleguides scheitern nicht am Inhalt, sondern daran, dass sie niemand nutzt.

Fehler Folge
Nur ein Styleguide für alle Sprachen Regeln der Ausgangssprache werden auf Sprachen übertragen, in denen sie nicht passen.
Zu lang und zu allgemein Sätze wie „Wir schreiben modern und klar“ helfen bei keiner konkreten Entscheidung.
Keine Beispiele Jede Person legt eine abstrakte Regel anders aus.
Nicht gepflegt Entscheidungen aus Rückfragen gehen verloren und werden immer wieder neu getroffen.
Nicht weitergegeben Der Styleguide liegt beim Marketing, erreicht aber nie die Menschen, die übersetzen.

Häufige Fragen

Was ist ein Styleguide für Übersetzungen?

Ein Regelwerk, das festlegt, wie ein Unternehmen in einer Zielsprache schreibt: Anrede, Tonalität, Schreibweisen, Formate und der Umgang mit Markennamen. Er sorgt dafür, dass Übersetzungen verschiedener Personen einheitlich klingen.

Was ist der Unterschied zwischen Styleguide und Glossar?

Das Glossar legt fest, welche Begriffe verwendet werden. Der Styleguide legt fest, wie geschrieben wird, also Anrede, Ton und Formate. Für einheitliche Übersetzungen braucht es in der Regel beides.

Braucht jede Zielsprache einen eigenen Styleguide?

Ja, zumindest einen eigenen Abschnitt. Anrede, Zahlenformate und Höflichkeitsformen unterscheiden sich von Sprache zu Sprache. Viele Unternehmen nutzen einen gemeinsamen Grundteil und ergänzen ihn um sprachspezifische Regeln.

Wer erstellt den Styleguide?

Die Entscheidungen trifft das Unternehmen, meist Marketing oder Unternehmenskommunikation gemeinsam mit den Ländergesellschaften. Ein Sprachdienstleister kann den Entwurf aus vorhandenen Texten ableiten und offene Punkte aus Sicht der Zielsprache benennen.

Wie geht tolingo mit Styleguides um?

Sie können uns Ihren Styleguide mit dem Auftrag schicken. In der Fachübersetzung nach ISO 17100 arbeiten die Übersetzer mit Ihren Vorgaben, und eine zweite Person prüft die Übersetzung in der Revision. Fehlt ein Styleguide, klären wir Anrede und Ton vor Projektbeginn mit Ihnen.

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Verfasst von der tolingo Fachredaktion

Zuletzt geprüft am 30. Oktober 2026

Die Fachredaktion von tolingo schreibt über Sprache im Unternehmen. Was hier steht, stammt aus der täglichen Arbeit an Übersetzungsprojekten, abgestimmt mit Projektleitung, Terminologie und Qualitätssicherung. tolingo übersetzt seit 2007 aus Hamburg in über 220 Sprachen, zertifiziert nach ISO 17100, ISO 18587, ISO 9001 und ISO 27001.

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