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ISO 18587: Die Norm für Post-Editing erklärt

Geschrieben von tolingo Fachredaktion | Oktober 2026

Kurz gesagt

  1. ISO 18587 ist die internationale Norm für das Post-Editing maschineller Übersetzungen. Sie regelt den Ablauf und die Qualifikation der Post-Editoren.
  2. Verbindlich geregelt ist nur das vollständige Post-Editing. Das Ergebnis soll mit einer menschlichen Übersetzung vergleichbar sein.
  3. Light Post-Editing steht nur in einem informativen Anhang. Ein Zertifikat nach ISO 18587 sagt darüber nichts aus.
  4. Anders als ISO 17100 schreibt die Norm keine Revision durch eine zweite Person vor. Wer das Vier-Augen-Prinzip braucht, vereinbart es eigens.

Auf dieser Seite

  1. Definition
  2. Was die Norm regelt
  3. Full und Light
  4. Was das für Unternehmen bedeutet
  5. Abgrenzung
  6. Grenzen der Norm
  7. Häufige Fragen

Philipp Walzok

Ihr Ansprechpartner für Übersetzungen

Was ist ISO 18587?

Definition

ISO 18587 ist die internationale Norm für das Post-Editing maschineller Übersetzungen. Sie legt fest, wie Menschen maschinell übersetzte Texte vollständig prüfen und korrigieren und welche Qualifikation die Post-Editoren dafür brauchen. Ziel ist ein Text, der mit einer menschlichen Übersetzung vergleichbar ist.

Der vollständige Titel lautet „Translation services · Post-editing of machine translation output · Requirements“. Die Norm ist im April 2017 erschienen und stammt aus dem ISO-Ausschuss für Übersetzen und Dolmetschen (ISO/TC 37/SC 5). In Europa wurde sie als EN ISO 18587 übernommen. Sie richtet sich an Übersetzungsdienstleister, ihre Auftraggeber und die Post-Editoren selbst.

Wichtig ist, wo die Norm ansetzt: bei dem Teil des Prozesses, der mit dem fertigen Maschinenergebnis beginnt. Welches System übersetzt und wie es trainiert wurde, ist nicht ihr Gegenstand. Für die Humanübersetzung leistet dasselbe die ISO 17100.

Was die Norm regelt

ISO 18587 legt fest, was vor dem Post-Editing geklärt sein muss, was beim Post-Editing gilt und wer es machen darf.

  1. Eignung prüfenIst der Ausgangstext für maschinelle Übersetzung geeignet?
  2. VereinbarenZweck, Qualitätsstufe und Vorgaben schriftlich festhalten
  3. Post-EditingAusgangstext, Maschinenergebnis und Zieltext abgleichen
  4. AbschlussEndkontrolle, Lieferung, Rückmeldung zur Maschinenqualität
Vier Schritte, die die Norm vom Dienstleister verlangt.
Bereich Was die Norm verlangt
Vorbereitung Der Dienstleister prüft, ob sich der Inhalt für maschinelle Übersetzung eignet, und hält die Vorgaben schriftlich mit dem Auftraggeber fest.
Bedeutung Jeder Fehler, der den Sinn verändert, wird korrigiert. Es darf nichts fehlen und nichts hinzukommen.
Sprache Grammatik, Rechtschreibung, Zeichensetzung und Satzbau sind korrekt.
Terminologie und Stil Freigegebene Terminologie und die Stilvorgaben des Auftraggebers werden eingehalten.
Sparsamkeit So viel vom Maschinenergebnis übernehmen wie möglich, nur ändern, was nötig ist.
Qualifikation Abschluss in Übersetzen oder Sprachwissenschaft, oder ein anderer Abschluss plus zwei Jahre Übersetzungserfahrung, oder fünf Jahre Berufserfahrung.
Zusatzwissen Kenntnis maschineller Übersetzungssysteme, ihrer typischen Fehler und der eingesetzten Übersetzungswerkzeuge.

Der Unterschied zum Übersetzen: Post-Editoren arbeiten mit drei Texten statt mit zwei und müssen erkennen, wann ein flüssiger Satz etwas anderes sagt als das Original.

Full und Light Post-Editing in der Norm

Die Norm kennt beide Stufen, verbindlich regelt sie aber nur eine.

Merkmal Full Post-Editing Light Post-Editing
Ziel Vergleichbar mit einer menschlichen Übersetzung Verständlicher Text, ohne diesen Anspruch
Stellung in der Norm Verbindliche Anforderungen Nur im informativen Anhang B
Stil und Terminologie Werden angepasst Bleiben weitgehend, wie die Maschine sie liefert
Typischer Einsatz Dokumentation, Produkttexte, Veröffentlichtes Interne Information, Sichtung großer Textmengen
Vom Zertifikat abgedeckt Ja Nein

Wie vollständiges Post-Editing in der Praxis abläuft, beschreibt der Eintrag Full-Post-Editing. Auch die weiteren Anhänge zu Schulung, Pre-Editing, Vereinbarungen und automatischem Post-Editing sind nur Empfehlungen.

Was das für Unternehmen bedeutet

ISO 18587 steht in Ausschreibungen oft direkt neben ISO 17100. Fünf Punkte, die beim Einkauf zählen.

Das Zertifikat bewertet den Ablauf, nicht jeden Text

Zertifiziert wird, dass ein Dienstleister einen normgerechten Prozess hat und qualifizierte Post-Editoren einsetzt. Ob ein bestimmter Auftrag ins Post-Editing gehört, entscheidet sich trotzdem am Text. Fragen Sie, wie die Eignung geprüft wird.

Light Post-Editing ist nicht mitzertifiziert

Nennt ein Angebot Light Post-Editing, bezieht sich die Zertifizierung nicht darauf. Lassen Sie sich beschreiben, was dabei korrigiert wird und was stehen bleibt.

Das Vier-Augen-Prinzip muss eigens vereinbart werden

ISO 18587 verlangt keine Revision durch eine zweite Person. Für Sicherheitshinweise, Verträge oder Veröffentlichtes lohnt es, diese Prüfung ausdrücklich zu beauftragen oder gleich eine Fachübersetzung nach ISO 17100 zu wählen.

Ihre Vorgaben bestimmen das Ergebnis

Die Norm verlangt eine schriftliche Vereinbarung über Zweck, Qualitätsstufe und Vorgaben. Je genauer Glossar, Styleguide und Zielgruppe feststehen, desto weniger hängt das Ergebnis vom Zufall des Maschinenlaufs ab.

Die Norm wird gerade überarbeitet

Der Entwurf ISO/DIS 18587 ist seit September 2026 in der Abstimmung. Sein Titel spricht nicht mehr von maschineller Übersetzung, sondern allgemeiner von Übersetzungen, die nicht von Menschen stammen. Bis zur Veröffentlichung gilt die Fassung von 2017.

Das ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung. Welche Textsorte welche Prüfstufe braucht, steht im Ratgeber KI-Übersetzung: wann sie reicht und wann nicht.

Nicht zu verwechseln mit

Die vier Normen, mit denen Übersetzungsdienstleister werben, regeln Verschiedenes.

Norm Regelt Prüfung durch zweite Person
ISO 17100 Humanübersetzung: Prozess, Qualifikation, Ressourcen Pflicht
ISO 18587 Post-Editing maschineller Übersetzungen Nicht vorgeschrieben
ISO 9001 Qualitätsmanagement eines Unternehmens, branchenunabhängig Kein Gegenstand
ISO 27001 Informationssicherheit, also den Umgang mit vertraulichen Daten Kein Gegenstand

Eine Übersetzung kann also normgerecht nach ISO 18587 entstanden sein, ohne dass ein zweites Paar Augen sie gesehen hat.

Grenzen der Norm

Drei Dinge regelt ISO 18587 nicht. Sie gehören deshalb ausdrücklich in die Vereinbarung.

Grenze Was daraus folgt
Keine Aussage zur Maschine Welches System übersetzt und was mit Ihren Daten geschieht, bleibt offen. Fragen Sie gesondert danach.
Keine Mindestqualität für Light Was „verständlich“ bedeutet, legt jede Vereinbarung selbst fest.
Stand 2017 Große Sprachmodelle waren bei der Erarbeitung kein Thema. Ihr typischer Fehler, frei ergänzte Inhalte, fällt aber unter die Pflicht zum Abgleich mit dem Ausgangstext.

Häufige Fragen

Was ist ISO 18587?

Die internationale Norm für das Post-Editing maschineller Übersetzungen. Sie regelt, wie Menschen Maschinenübersetzungen vollständig prüfen und korrigieren und welche Qualifikation Post-Editoren brauchen. Ziel ist ein Ergebnis, das mit einer menschlichen Übersetzung vergleichbar ist.

Was ist der Unterschied zwischen ISO 17100 und ISO 18587?

ISO 17100 regelt die Humanübersetzung und schreibt eine Revision durch eine zweite Person vor. ISO 18587 regelt die Nachbearbeitung maschineller Übersetzungen und verlangt keine zweite Prüfung. Die Anforderungen an die Qualifikation sind vergleichbar.

Gilt ISO 18587 auch für Light Post-Editing?

Nein. Verbindlich geregelt ist nur das vollständige Post-Editing. Light Post-Editing beschreibt die Norm in einem informativen Anhang, also als Empfehlung ohne Anforderungen.

Welche Qualifikation brauchen Post-Editoren nach ISO 18587?

Einen Abschluss in Übersetzen oder Sprachwissenschaft, einen anderen Abschluss mit zwei Jahren Übersetzungserfahrung oder fünf Jahre Berufserfahrung. Dazu kommt Wissen über maschinelle Übersetzung, ihre typischen Fehler und die eingesetzten Werkzeuge.

Gilt ISO 18587 auch für KI-Übersetzungen mit Sprachmodellen?

Die Fassung von 2017 spricht von maschineller Übersetzung, ohne Verfahren zu unterscheiden. Der Entwurf der Neufassung formuliert allgemeiner und spricht von Übersetzungen, die nicht von Menschen stammen.

Ist tolingo nach ISO 18587 zertifiziert?

Ja. tolingo ist nach ISO 18587 zertifiziert, dazu nach ISO 17100, ISO 9001 und ISO 27001. Post-Editing läuft damit in einem geprüften Ablauf mit qualifizierten Post-Editoren.

Post-Editing

Maschinell übersetzen, normgerecht prüfen

Wir prüfen vorab, ob sich Ihr Text für maschinelle Übersetzung eignet, und bearbeiten das Ergebnis im Post-Editing nach ISO 18587. Wo eine zweite Prüfung nötig ist, empfehlen wir die Fachübersetzung nach ISO 17100. Verarbeitet wird nach ISO 27001.

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