Kurz gesagt
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Definition
Eine freie Übersetzung gibt Sinn, Absicht und Wirkung eines Ausgangstextes in der Zielsprache wieder, ohne sich an dessen Wortlaut und Satzbau zu binden. Sie formuliert so, wie ein Text in der Zielsprache natürlich klingt, und bleibt inhaltlich beim Original.
Das Gegenstück ist die wörtliche Übersetzung, die möglichst nah am Text des Originals bleibt. In der Praxis sind beide die Enden einer Skala: Fast jede Übersetzung bewegt sich dazwischen, und der Zweck des Textes bestimmt, in welche Richtung sie geht.
Ein Beispiel: Die englische Wendung „It’s raining cats and dogs“ ergibt wörtlich übersetzt keinen Sinn. Frei übersetzt heißt sie „Es regnet in Strömen“. Die Aussage bleibt gleich, das Bild wechselt, weil das deutsche Publikum das englische nicht kennt.
Beide Verfahren übertragen denselben Inhalt. Sie unterscheiden sich darin, woran sich die Formulierung orientiert.
| Merkmal | Wörtliche Übersetzung | Freie Übersetzung |
|---|---|---|
| Orientierung | Wortlaut und Satzbau des Originals | Wirkung und Sprachgewohnheiten der Zielsprache |
| Lesegefühl | Kann nach Übersetzung klingen | Liest sich wie ein Originaltext |
| Nachprüfbarkeit | Jede Stelle lässt sich leicht zuordnen | Zuordnung Satz für Satz oft nicht möglich |
| Typische Texte | Verträge, Normen, Spezifikationen | Werbung, Websites, Unternehmenstexte |
Wie frei eine Übersetzung sein darf, ist also keine Stilfrage der Übersetzer, sondern eine Vorgabe aus dem Auftrag. Wer sie nicht festlegt, überlässt die Entscheidung dem Zufall.
Für Einkauf und Marketing zählt vor allem eine Frage: Soll der Text informieren oder überzeugen? Drei Punkte helfen bei der Entscheidung.
Eine Produktseite soll in jedem Markt überzeugen, ein Datenblatt muss in jedem Markt dasselbe sagen. Oft stecken beide Anforderungen im selben Projekt. Dann lohnt es sich, die Textarten getrennt zu beauftragen, statt für alles dieselbe Vorgabe zu machen.
Auch ein freier Text enthält Elemente, die nicht frei sind: Produktnamen, Claims, Fachbegriffe. Ein Glossar hält fest, was gesetzt ist, ein Styleguide beschreibt Ton und Anrede. Innerhalb dieses Rahmens können Übersetzer frei formulieren, und die Texte bleiben trotzdem einheitlich.
Ein Abgleich Satz für Satz sagt bei freien Texten wenig aus. Sinnvoller ist die Frage, ob der Text die Aussage des Originals vollständig trägt und in der Zielgruppe so wirkt wie gewünscht. Dafür sollten Prüfer das Briefing kennen, nicht nur den Ausgangstext.
Mehrere Begriffe beschreiben einen freieren Umgang mit dem Original. Sie gehen unterschiedlich weit.
| Begriff | Bedeutung | Verhältnis zur freien Übersetzung |
|---|---|---|
| Wörtliche Übersetzung | Überträgt möglichst nah am Text des Originals | Das Gegenstück auf derselben Skala |
| Lokalisierung | Passt Inhalte an einen Zielmarkt an, auch Datumsformate, Währungen und Einheiten | Geht über die Sprache hinaus und kann freie Übersetzung einschließen |
| Transkreation | Schreibt den Text für den Zielmarkt neu | Geht weiter: Auch Bilder und Argumente dürfen sich ändern |
| Zusammenfassung | Gibt nur die Kernaussagen wieder | Kürzt den Inhalt, was eine freie Übersetzung nicht tut |
Wo die Grenze zur Lokalisierung verläuft, erklärt der Ratgeber Übersetzung oder Lokalisierung.
Die meisten Probleme entstehen, wenn das Verfahren nicht zur Textart passt oder der Spielraum nicht abgesprochen ist.
| Fehlerquelle | Folge |
|---|---|
| Freie Übersetzung bei Verträgen oder Normen | Abweichungen im Wortlaut können die Aussage verändern und sind schwer nachzuweisen. |
| Kein Briefing zu Zielgruppe und Ton | Der Text ist flüssig, trifft aber nicht die gewünschte Ansprache. |
| Keine Vorgaben zur Terminologie | Produktnamen und Fachbegriffe wechseln von Text zu Text. |
| Zu großer Spielraum | Aussagen kommen hinzu oder fehlen, und der Text sagt nicht mehr dasselbe wie das Original. |
| Wiederverwendung im Übersetzungsspeicher | Stark umformulierte Sätze passen in anderem Zusammenhang oft nicht und müssen geprüft werden. |
Eine freie Übersetzung gibt Sinn, Absicht und Wirkung eines Textes in der Zielsprache wieder, ohne sich an Wortlaut und Satzbau des Originals zu binden. Inhaltlich bleibt sie beim Ausgangstext, sprachlich folgt sie den Gewohnheiten der Zielsprache.
Nein. Frei bezieht sich auf die Form, nicht auf den Inhalt. Fakten, Namen und Aussagen bleiben erhalten. Ungenau wird eine freie Übersetzung erst, wenn sie Inhalte weglässt oder hinzufügt, die der Auftrag nicht vorsieht.
Immer dann, wenn der genaue Wortlaut Folgen hat, etwa bei Verträgen, Normen, Sicherheitshinweisen oder technischen Spezifikationen. Dort muss nachvollziehbar sein, welche Stelle des Originals welcher Stelle der Übersetzung entspricht.
Die freie Übersetzung behält die Aussage des Originals und ändert die Formulierung. Bei der Transkreation wird der Text für den Zielmarkt neu geschrieben, dabei dürfen sich auch Bilder, Beispiele und Argumente ändern.
Nennen Sie Zielgruppe, Zweck und Ton des Textes und legen Sie fest, wie weit sich die Übersetzung vom Original entfernen darf. Ein Styleguide und ein Glossar helfen, weil sie Spielraum und feste Begriffe klar trennen.
Marketing-Übersetzungen
Texte, die im Zielmarkt genauso wirken
Bei Marketing-Übersetzungen von tolingo legen wir mit Ihnen fest, wie frei ein Text übertragen werden soll, und halten Begriffe und Ton über alle Sprachen einheitlich.