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EU AI Act und Übersetzung

Geschrieben von Jessi | Juni 2026

EU AI Act und Übersetzung: Was Unternehmen bis August 2026 wissen müssen

Lesezeit ca. 6 Minuten | Thema: KI, Compliance und Übersetzung

Am 2. August 2026 treten zentrale Pflichten des EU AI Act für Hochrisiko-KI-Systeme in Kraft. Für Unternehmen, die Verträge, technische Dokumentation oder medizinische Texte mit KI übersetzen lassen, ist das ein wichtiger Stichtag. Dieser Beitrag zeigt, welche Übersetzungen betroffen sind, welche Pflichten entstehen und wie ein konformer Workflow in der Praxis aussieht.

Was der EU AI Act mit Übersetzung zu tun hat

Der EU AI Act ist das erste umfassende Regelwerk für Künstliche Intelligenz. Er folgt einem risikobasierten Ansatz: Je höher der mögliche Schaden eines KI-Systems, desto strenger sind die Pflichten. Spam-Filter bleiben weitgehend unreguliert. Systeme, die in sensible Bereiche eingreifen, unterliegen dagegen klaren Auflagen.

Übersetzung kommt genau dort ins Spiel, wo maschinelle Übersetzung für sensible Inhalte eingesetzt wird. Eine KI-übersetzte interne Notiz ist etwas anderes als ein KI-übersetzter Vertrag oder ein Beipackzettel. Der EU AI Act zieht hier eine Grenze, die viele Unternehmen bisher nicht bewusst gezogen haben.

Diese Übersetzungen gelten als Hochrisiko

Nicht jede Übersetzung fällt unter die strengen Anforderungen. Im Fokus stehen vor allem geschäftskritische und regulierte Inhalte:

  • Recht und Verträge: Vertragsklauseln, AGB, Gerichtsunterlagen
  • Medizin und Pharma: klinische Unterlagen, Beipackzettel, Patienteninformationen
  • Behörden und amtliche Kommunikation: offizielle Bescheide und Formulare
  • Sicherheitsrelevante technische Dokumentation: Bedienungsanleitungen, Sicherheitshinweise, Spezifikationen

Wichtig für internationale Teams: Der EU AI Act wirkt auch über die EU-Grenzen hinaus. Sobald die KI-Übersetzung innerhalb der EU genutzt wird, gelten die Pflichten, selbst wenn der Anbieter außerhalb der EU sitzt.

Die neuen Pflichten im Überblick

Der EU AI Act verlangt mehr Sorgfalt im Umgang mit KI-Übersetzung. Vier Punkte sind für Unternehmen besonders relevant:

1. Transparenz

Wird KI für die Übersetzung eingesetzt, muss dies offengelegt werden. Kundinnen und Kunden haben ein Recht darauf zu wissen, ob ein Text von einer Maschine erstellt wurde.

2. Menschliche Aufsicht

KI-Systeme im Hochrisikobereich brauchen menschliche Kontrolle. Eine qualifizierte Person muss in der Lage sein, Ergebnisse zu prüfen und Fehler zu korrigieren, bevor sie Wirkung entfalten.

3. Dokumentation und Nachvollziehbarkeit

Prozesse, eingesetzte Werkzeuge und Prüfschritte sollten dokumentiert sein. Wer welche Übersetzung freigegeben hat, muss nachvollziehbar bleiben.

4. Bias-Kontrolle und Monitoring

KI-Systeme müssen auf Verzerrungen geprüft und laufend überwacht werden. Wer eigene Übersetzungs-Engines mit firmeneigenen Daten trainiert, sollte zudem nachweisen können, woher diese Trainingsdaten stammen.

ChatGPT Translate und die Frage der Haftung

Seit Januar 2026 gibt es ChatGPT Translate. KI-Übersetzung ist damit für jeden verfügbar: schnell, günstig und in Sekunden. Die Versuchung ist groß, alles über solche Tools laufen zu lassen.

Doch KI liefert Entwürfe, keine Verantwortung. Eine falsch übersetzte Vertragsklausel, eine missverständliche Dosierungsangabe oder ein verlorener Sinn in der Kundenkommunikation kann reale Folgen haben. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob KI übersetzen kann, sondern wer für Bedeutung und Korrektheit in jeder Zielsprache verantwortlich ist.

So sieht ein konformer Workflow aus

Der praktische Weg führt über eine einfache Idee: Inhalte nach Risiko staffeln, statt pauschal zu entscheiden.

  • Niedriges Risiko wie interne Kommunikation oder das schnelle Erstverständnis großer Textmengen kann KI-gestützt laufen.
  • Hohes Risiko wie Verträge, Kundenkommunikation und regulierte Inhalte verlangt menschliche Übersetzung oder zumindest eine menschliche Freigabe.

Objektive Qualitätsmaßstäbe helfen dabei, diesen Anspruch belegbar zu machen. Die Norm ISO 17100 definiert den Prozess und die Qualifikation der Übersetzer. Das Vier-Augen-Prinzip sorgt dafür, dass eine zweite Fachkraft jede Übersetzung prüft. Und mit der Bewertungsnorm DIN ISO 5060 lässt sich Übersetzungsqualität, auch von KI, anhand einer klaren Matrix bewerten.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Die gute Nachricht: Wer den Juni und Juli nutzt, ist rechtzeitig vorbereitet. Diese fünf Schritte schaffen Klarheit:

  • Bestehende Übersetzungs-Workflows inventarisieren
  • Hochrisiko-Inhalte identifizieren und kennzeichnen
  • Den Einsatz von KI transparent dokumentieren
  • Eine menschliche Freigabe für sensible Inhalte einrichten
  • Den Sprachdienstleister nach Zertifizierung und Prüfprozess fragen

Übersetzen mit Tempo und Verantwortung

Bei tolingo liefert KI das Tempo, und erfahrene Fachübersetzer tragen die Verantwortung. Mit zertifizierten Prozessen und menschlicher Freigabe wird aus schneller Übersetzung verlässliche Kommunikation, die auch im Compliance-Zeitalter Bestand hat.

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Häufige Fragen

Ab wann gilt der EU AI Act für Übersetzungen?

Die Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme werden ab dem 2. August 2026 durchsetzbar. Maschinelle Übersetzung sensibler Inhalte fällt darunter.

Welche Übersetzungen sind betroffen?

Vor allem Rechts-, Medizin-, Behörden- und sicherheitsrelevante technische Inhalte. Interne Texte mit geringem Risiko sind in der Regel unkritischer.

Darf ich KI weiterhin zum Übersetzen nutzen?

Ja. Entscheidend ist eine risikobasierte Nutzung: KI für unkritische Inhalte, menschliche Übersetzung oder Freigabe für sensible Inhalte, dazu Transparenz und Dokumentation.

Gilt das auch für Unternehmen außerhalb der EU?

Ja, sobald die KI-Übersetzung innerhalb der EU genutzt wird, greifen die Pflichten, unabhängig vom Standort des Anbieters.

Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung zum Thema KI und Übersetzung und ersetzt keine Rechtsberatung. Für die konkrete rechtliche Bewertung Ihres Einzelfalls wenden Sie sich bitte an eine fachkundige Beratung.